Herz-Kreislauf Erkrankungen


Dr. med. Dietmar Betz

Herz-Kreislauf Erkrankungen

Herz-Kreislauf-Erkrankungen zählen in Deutschland zu den häufigsten Erkrankungen und zu den führenden Todesursachen überhaupt.
Nicht selten sind sie die Ursache für Arbeitsunfähigkeit, Invalidität und Frühberentung und verursachen dadurch die höchsten Kosten in unserem Gesundheitssystem.

In Deutschland, wie übrigens in den meisten Industrienationen, besteht ein deutlicher Geschlechterunterschied bei diesen Erkrankungen: Es sind mehr Männer als Frauen betroffen und sie sterben häufiger daran, vor allem vorzeitig, also vor Erreichen des 65. Lebensjahres.

 

Ein ungesunder Lebensstil, wie z.B. Rauchen, Übergewicht und Bewegungsmangel begünstigen die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Viele dieser als vermeidbar geltenden Risikofaktoren finden sich bei Männern häufiger als bei Frauen
Weitere Risikofaktoren für die Entwicklung einer Herz-Kreislauf-Erkrankung stellen Bluthochdruck, Diabetes mellitus und Störungen des Fettstoffwechsels dar.
Diese eigenständigen Erkrankungen zählen bei Männern zu den zehn häufigsten Diagnosen in Deutschen Arztpraxen, und auch hier sind im Vergleich mehr Männer betroffen als Frauen.

Eine der bedeutsamsten Herz-Kreiskauf-Erkrankung ist die als Koronare Herzkrankheit (KHK) bezeichnete Durchblutungsstörung der Herzmuskulatur selbst, die durch eine Verkalkung der Herzkranzgefäße verursacht wird.
Es bestehen verschiedene Ausprägungen der KHK.
Als akute Manifestation ist der Herzinfarkt (akuter Myokardinfarkt) von besonderer Bedeutung, da hierbei die Gefahr eines plötzlichen Herztodes besonders groß ist.
In der Mehrzahl der Fälle kündigt sich eine KHK jedoch durch spezifische Symptome an. Belastungsabhängige Brustschmerzen und Atemnot sind dabei besonders häufig.
Ein erster Hinweis auf die Entwicklung einer KHK kann bei Männern eine erektile Dysfunktion sein. Diese geht mit ihren Symptomen einer KHK im Mittel zwei bis drei Jahre voraus.

Bei der Symptomatik des akuten Herzinfarktes zeigen sich bei Männern und Frauen Unterschiede hinsichtlich Schmerzlokalisation und Symptomspektrum.
Unabhängig vom Geschlecht sind als stechend, brennend oder drückend beschriebene, plötzlich aufkommende Brustschmerzen, die mehr als fünf Minuten andauern und auch in Ruhe nicht abklingen, das häufigste Beschwerdebild.
Daneben können Schmerzausstrahlungen in den linken Arm bzw. die linke Hand, Schulter, in den Rücken und den Kiefer sowie unspezifische Symptome wie Luftnot, Übelkeit, Erbrechen und Oberbauchschmerzen hinzukommen.
Diese letztgenannte Symptompalette ist allerdings bei Frauen häufiger als bei Männern anzutreffen.

Prävention

Auch wenn sich positive Entwicklungen bei der Mortalität von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zeigen, ist die vorzeitige Sterblichkeit bei Männern nach wie vor ein relevantes Problem.
Die Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist daher eine dringliche Aufgabe.
Da bestimmte Risikofaktoren, wie Alter und Geschlecht, als nicht beeinflussbar hingenommen werden müssen, kommt denjenigen Risikofaktoren, die sich positiv beeinflussen lassen, ein großes präventives Potenzial zu. So senkt eine gesunde Lebensführung das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erheblich.

Die Schwierigkeit bei der Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen liegt jedoch im multifaktoriellen Geschehen dieser Krankheitsbilder. Das bedeutet, dass neben den biologischen und genetischen Einflussfaktoren die soziale Lage, die psychische Konstellation sowie Arbeits- und Umweltbedingungen eine entscheidende Rolle spielen.

Wie Analysen zur Inanspruchnahme von Präventionsprogrammen zeigen, werden insgesamt deutlich weniger Männer als Frauen durch diese Angebote erreicht.
Studien belegen zudem, dass sozial benachteiligte Männer weniger an präventiven Maßnahmen teilnehmen, als sozial besser gestellte.
Derzeit wird die gesetzlich verankerte »Gesundheitsuntersuchung zur Früherkennung von Krankheiten« (»Check-up«) allen gesetzlich Versicherten ab einem Alter von 35 Jahren im Abstand von zwei Jahren als Leistung der gesetzlichen Krankenkassen angeboten.
Insgesamt erreichen diese Angebote Männer im jüngeren Alter jedoch kaum, da sie im Vergleich zu älteren Männern seltener eine Arztpraxis aufsuchen.
Die Zahlen zur vorzeitigen Sterblichkeit an Herz-Kreislauf-Erkrankungen verdeutlichen aber, dass Prävention bereits bei jungen Männern, insbesondere im Hinblick auf einen gesundheitsschädigenden Lebensstil, eine wesentliche Rolle spielen könnte.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass aus der epidemiologischen Forschung viele Erkenntnisse über geschlechtsspezifische Unterschiede in der Entstehung und im Verlauf von Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorliegen und schrittweise in das ärztliche Handeln einbezogen werden. Im Bereich der ärztlichen Versorgungspraxis unter geschlechtsspezifischen Gesichtspunkten berücksichtigt der Bereich Gender Medizin beispielsweise mittlerweile neben den biologischen vor allem auch die sozialen und psychologischen Unterschiede zwischen den Geschlechtern.

Der entscheidende erste Schritt, ein eigenverantwortliches aktives Handeln durch Inanspruchnahme der Vorsorgeangebote, muss jedoch von uns Männern kommen.

Dr. med. Dietmar Betz

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