​PROF. DR. WALTER HOLLSTEIN

Soziologe

Männlichkeit - ein Definitionsversuch in männerschwieriger Zeit

Zum Zeitgeist gehört, Männlichkeit nur noch mit den negativen Assoziationen von Gewalt, Krieg, Naturzerstörung, sexueller Belästigung und Missbrauch zu verbinden.
In ihrem Buch „Pornographie" postuliert die amerikanische Radikalfeministin Andrea Dworkin ebenso schlicht wie dezidiert: „Terror strahlt aus vom Mann, Terror erleuchtet sein Wesen, Terror ist sein Lebenszweck“. Und: „Ich möchte einen Mann zu einer blutigen Masse geprügelt sehen“.  Auch einstmals positive Qualitäten von Mann-sein werden mittlerweile gesellschaftlich umgedeutet. So wird z.B. männlicher Mut als männliche Aggressivität denunziert.

Das hat verheerenden Folgen für die männliche Identitätsbildung. Die Rollenerwartungen an die Männlichkeit sind heute für junge Männer widersprüchlich.

So weisen empirische Untersuchungen aus: „Männer heute befürchten, dass in Wahrheit die Frauen die wichtigen Entscheidungen fällen und sie, die Männer, gar nicht mehr brauchen. Junge Männer sind heute nicht mehr nur in Bezug auf Berufswahl und Arbeitsmarkt verunsichert, sondern auch im Privaten haben sie alle Sicherheit verloren“.  Sie erkennen sich als vernachlässigt, zurückgedrängt, nicht mehr ernst genommen. „Die Männer leiden in ihrer subjektiven Befindlichkeit und fühlen sich in der Defensive: DieFrauen schreiben das Drehbuch“.  So beutelt die jungen  Männer heute die Angst, bald „überflüssig“ werden zu können. Das fügt sich ein in Diagnosen vom „Ende der Männer“, wie es die amerikanische Soziologin Hanna Rosin kürzlich in ihrem gleichnamigen Bestseller formuliert hat.

Zu den Folgen gehört, dass sich junge Männer zunehmend verweigern. Die amerikanische Psychologin Helen Smith spricht bereits vom „Streik der Männer“. Anzeichen dafür lassen sich auch im deutschsprachigenRaum finden: „Warum sollte ein Mann eine Familie gründen wollen?' fragte ein junger Mann unlängst im Berliner Stadtmagazin Zitty. Das war bloß rhetorisch gemeint. Männer können ohne Familie 'wunderbar leben',  erklärte der Mann, 'Medien und Frauen haben Männern über Jahrzehnte erzählt, sie seien überflüssig ,gewalttätig, dumpf und sowieso ein Irrtum der Natur. Da ist es doch keinWunder, dass sie keine Stützen der Gesellschaft werden wollen. Warum sollten sie denn? Viele haben gemerkt, dass Überflüssig sein eine Menge Freiheit mit sich bringt. Die will man nicht mehr missen.'

Wie Mannsein heute positiv und erfüllend bestimmt werden kann, soll dieser Vortrag aufzeigen.

Zur Person: 

Walter Hollstein ist  Schweizer Soziologe. Er ist seit Jahrzehnten einer der bekanntesten und anerkanntesten Männerforscher und  Autoren zum Thema Mannsein des deutschsprachigen Raums. 2008 erschien sein Buch "Was vom Manne übrig blieb. Krise und Zukunft des starken Geschlechts." Er engagiert sich politisch und gesellschaftlich,  war  Mitglied der Enquete-Kommission für Jugendfragen des Deutschen Bundestages, Gutachter des Europarates für Jugendkriminalität und Mitbegründer der "Internationalen Arbeitsgemeinschaft für Männerforschung" (Wien) sowie der "AG Männer- und Geschlechterforschung" (Berlin).
Für seine Publikation "Die Gegengesellschaft - Alternative Lebensformen" erhielt Walter Hollstein den Deutschen Sachbuchpreis.


Vortrag

Aufgezeichnet bei der MALEvolution-Konferenz MANN SEIN 2018


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